Verband Süddeutscher Zuckerrübenanbauer e.V.
Verband Süddeutscher Zuckerrübenanbauer e.V.
Geschichte

Der VSZ und seine Historie

In der Zeit vor dem ersten Weltkrieg waren die Rübenanbauer in Deutschland stark abhängig vom Preisdiktat der Industrie, das sich aus verschiedenen Komponenten zusammensetzte. Um diesem Ausgeliefertsein entgegenzuwirken, bildeten sich im rheinhessisch-pfälzischen Gebiet Vereine, welche den Grundstein für die Gründung süddeutscher Zuckerrübenanbauerverbände legten. Diese ersten, wegbereitenden Schritte einen Gegenpol zu der nach dem Ersten Weltkrieg entstandenen Interessensgemeinschaft der Zuckerfabriken hervorzubringen, wurden von dem Wormser Ökonomierat Gustav Bauer gemacht.

Diese Geschehnisse führten 1920 unter Einfluss führender Persönlichkeiten der diversen süddeutschen Rübenbauverbände und einigen anderen Beteiligten aus dem Agrar-Sektor in Mannheim zur Gründung des „Verbandes süddeutscher Zuckerrübenpflanzer“ mit Sitz in Worms. Doch zunächst war der Verband im Kampf um Mitsprache in der süddeutschen Zuckerwirtschaft aufgrund mangelnder finanzieller Mittel keine starke Opposition zur „Regentschaft“ der Zuckerfabriken. Der erste große Erfolg gelang dem Verband mit dem Abschluss der Rübenlieferungsverträge, die die Rechte und Pflichten zwischen Erzeugern und Fabriken für ganz Süddeutschland einheitlich regelten. Der Verband festigte seine Position in der süddeutschen Zuckerwirtschaft unter anderem aufgrund eines internationalen Zusammenschlusses der Rübenanbauer (CIBE) im Jahre 1926. Von nun an bestand seine Aufgabe darin, die bäuerlichen Interessen zu vertreten, Rübenpolitik zu betreiben und außerdem beratend zu fungieren, um so Anbau- und Düngungsmethoden zu verbessern.

Die Zeit vor der Weltwirtschaftskrise 1929 war eine Blütezeit für den Zuckermarkt. Doch der internationale Erfolg schwand mit dem im Krieg verlorenen Terrain, was letzten Endes zum Zusammenbruch der Weltmarktpreise führte und eine völlige Neuorientierung unumgänglich machte.

 

Somit begann ein neue Epoche, die quasi bis heute anhält. Auf Basis des Zuckergesetzes von 1931, das als Grundlage der heutigen Zuckermarktordnung gilt, wurde der Rübenanbau gedrosselt. Gesichert wurde der Markt durch Festpreise für Zucker und Zuckerrüben. Das war die Sicherung des Absatzes der Erzeugnisse.

1935 stieg die Nachfrage nach Zuckerrüben im Vergleich zu 1931 um ein Vielfaches, da keine Frucht so viele Kalorien von der Flächeneinheit bringt, wie die Zuckerrübe, was sie zu einer nationalen Versorgungsquelle machte, die so weit wie möglich ausgeschöpft wurde. Dank der Zuckermarktordnung konnte die deutsche Bevölkerung im Dritten Reich ausreichend mit Zucker als hochkalorisches Lebensmittel versorgt werden. Eingesetzt zum Ersatz anderer Nahrungsmittel bewahrte er die Menschen vor dem Hunger, praktisch bis in die letzten Tage des Krieges hinein.

Da 1945 von den Besatzungsmächten die Organisation in nationalen Zusammenschlüssen nur zögerlich genehmigt wurde, arbeitete zunächst jeder Verband wieder nach dem selben Prinzip wie auch im Jahre 1920. Erst mit der Gründung der BRD begannen auch die Verbände wieder gemeinsam zu arbeiten und schlossen sich am 3. Dezember 1949 unter der Führung von Dr. h. c. Hans Hege wieder zusammen.

Im Krieg waren die großen Zuckererzeugungsgebiete Ost- und Mitteldeutschlands verloren gegangen, sodass weniger als die Hälfte des Zuckerbedarfs der Bevölkerung Deutschlands gedeckt werden konnte. Auf der Suche nach einem Weg aus der Misere wurde in Süddeutschland das reiche Angebot an unbebautem Rübenboden in Anspruch genommen. Dies hatte zur Folge, dass auch neue Fabriken gebaut werden mussten. So versammelten sich im Jahr 1950 auf den Ruf von Dr. Hans Hege hin alle interessierten, ins Zuckergeschäft involvierten Parteien in Stuttgart und fassten einen Beschluss, der die endgültige Wende in der Geschichte der süddeutschen Landwirtschaft darstellte: Von nun an wollten sie den Bau von Zuckerfabriken selbst in die Hand nehmen und so auch die Verarbeitungskapazität selbst festlegen. So wurde die Süddeutsche Zuckerverwertungs-Genossenschaft GmbH gegründet, der die potentiellen Gegner (Zuckerfabriken und Rübenanbauer) fortan zu Partnern machte. Ein Großteil der Anbauer beteiligten sich freiwillig mit einem Teil ihres Rübengeldes am Aufbau dieses fortschrittlichen Systems.

Zwischen 1955 und 1970 wurde der Bau neuer Zuckerfabriken aufgrund mangelnder Kapazität dringend notwendig. Die Südzucker AG lehnte eine Partnerschaft beim Bau einer neuen Fabrik ab. Stattdessen erhöhte sie ihr Aktienkapital um 6 Mio. DM. Zusammengeschlossen in der SZVG erwarben die süddeutschen Rübenanbauer Anteile von bis zu 75 % an Zuckerfabriken und wurden somit über Nacht zum zweitgrößten Aktionär der größten Zuckerfabrikgesellschaft Europas.

1984 zog der Verband süddeutscher Zuckerrübenanbauer von Worms nach Würzburg um, wo er fortan seinen Hauptsitz hatte. Dieser wurde im Jahr 2010 von Würzburg nach Ochsenfurt verlegt, wo die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des VSZ bis heute für das Fortbestehen dessen sorgen, wofür der VSZ seit Jahren steht: die Interessensvertretung der süddeutschen Rübenanbauer in der Öffentlichkeit sowie zahlreiche weitere für den Zuckerrübenanbau förderliche Maßnahmen.

 

Anna-Lisa Hartmann